Symbolpolitik hilft nicht – erst recht nicht bei Weiterbildung

Zum Vorschlag der CDU/CSU-Fraktion für ein Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle (MILLA), erklären Oliver Kaczmarek, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion für Bildung und Forschung, Martin Rabanus, Berichterstatter für das Thema Weiterbildung in der SPD-Bundestagsfraktion und Yasmin Fahimi, Sprecherin für die Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“:

„Der Vorschlag „Milla“ der Union ist mehr Schein als Sein“, meint Oliver Kaczmarek. „Eine digitale Plattform zu schaffen ist allein noch keine Antwort auf die digitalen und damit auch disruptiven Herausforderungen unserer Gesellschaft.“

Yasmin Fahimi unterstützt diese Haltung und erwartet von einer nationalen Weiterbildungsstrategie viel mehr Transparenz, Qualität und Standards. „Wer einen wirklichen Neuanfang bei der Weiterbildung will, muss zunächst den Wildwuchs ordnen.

Für den Einzelnen müssen der Wert der einzelnen Angebote transparent sein, im Sinne von verbindlichen Standards, da helfen auch keine Überführung des Dschungels von analog auf digital. Diese Standards sollten sozialpartnerschaftlich verabredet sein und in einem eigens dafür zu schaffenden Weiterbildungsgesetz zusammengefasst werden.

Vorbild könnten die Aufstiegs- und Fortbildungskurse der deutschen Handwerkskammer sein. Sie beweisen bereits seit Jahrzehnten, wie erfolgreiche Weiterbildung klappt, weil alle Beteiligten wissen, was sie davon haben.“

Martin Rabanus, Berichterstatter für das Thema Weiterbildung in der SPD-Bundestagsfraktion weist darüber hinaus darauf hin, „dass dringend die Qualität der Weiterbildung verbessert werden muss und das nicht allein hinsichtlich der infrastrukturellen und didaktischen Voraussetzungen, sondern auch durch klare Richtlinien zur Verzahnung von praktischen und theoretischen Lerninhalten. Die berufliche Weiterbildung braucht klare Rahmenrichtlinien, wie wir sie auch in der dualen Ausbildung bereits kennen. Denn das ist ein Erfolgsmodell, auch für unseren stabilen Arbeitsmarkt. Die Zielgruppenansprache ist ein weiterer Aspekt, den der „Milla“-Vorschlag nicht berücksichtigt. Wer bereits gut ausgebildet und internetaffin ist, bildet sich schon jetzt öfter weiter. Ein digitales Gesamtangebot sollte nicht einseitig bevorzugen, sondern tatsächlich alle mitnehmen – auch diejenigen, die sich ihre Chancen durch Weiterbildung noch gar nicht bewusst gemacht haben, denn sie sind oft am stärksten von Brüchen, verursacht durch Digitalisierung der Arbeitswelt, betroffen. Dieser und weitere Punkte müssen die Grundlage für ein derart großes Projekt sein

Hinsichtlich der Beratung zur Weiterbildung sehen alle drei Verantwortlichen die Notwendigkeit, die Bundesagentur für Arbeit stärker zu einer Servicestelle umzubauen. Zu dieser Frage ist man mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Gespräch und will diese Frage ebenso wie die zukünftige Finanzierung der betrieblichen und überbetrieblichen Weiterbildung in einer fraktionsinternen Arbeitsgruppe klären.